Unsere Alumna Dr. Barbara Dubach befasst sich seit mehr als 25 Jahren mit nachhaltiger Entwicklung. Als Gründerin und Geschäftsführerin von engageability unterstützt sie Unternehmen und Non-Profit-Organisationen in den Bereichen Strategieentwicklung, Stakeholder-Engagement und Wissenstransfer.

Wie hat sich Nachhaltigkeitsmanagement in den letzten 20 Jahren verändert?
Ursprünglich lag der Fokus von Unternehmen auf der Risikominimierung sowie auf der Einhaltung der Gesetzgebung. Seit einigen Jahren verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend hin zur Frage, welche Vorteile nachhaltiges Wirtschaften bringen kann. Die Diskussion findet vermehrt auf strategischer Ebene statt. Damit Unternehmen und die Gesellschaft auch in Zukunft Bestand haben, ist die Entkoppelung der Wirtschaftstätigkeit von der Nutzung der natürlichen Ressourcen essenziell. Wir benötigen innovative Lösungen und die entsprechenden Rahmenbedingungen, damit nachhaltig ausgerichtete Businessmodelle zukunftsfähig sind.

Nachhaltigkeit ist komplex. Welche Orientierungshilfen gibt es?
Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist eine komplexe, aber auch eine nötige und machbare Herausforderung. Für eine zufriedenstellende Lösung ist der Diskurs zwischen und die Zusammenarbeit mit allen Akteuren notwendig. Bei engageability orientieren wir uns an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (den sogenannten Sustainable Development Goals), dem Kernstück der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Basierend auf den SDGs eruieren wir, wo unter wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten die grössten Herausforderungen in den Ländern liegen, in denen eine Organisation tätig ist. Zudem legen wir Bereiche offen, in welchen sich neue Märkte auftun, um die Zukunftsfähigkeit der Organisation zu wahren.

Es geht also nicht mehr nur um Transparenz, sondern auch um Relevanz?
Transparenz in Bezug auf die Zielerreichung bleibt wichtig. Ausgangspunkt zur Zielsetzung ist die Identifikation der relevanten Themen. Als Organisation muss man sich fragen: Wo haben wir die grösste Hebelwirkung? Oder anders formuliert: Wie können wir angesichts der drängenden Probleme mit unseren Produkten, Dienstleistungen oder Kernkompetenzen einen positiven Beitrag leisten? Vielerorts bedeutet dies ein Umdenken, weg von einer Inside-out-Perspektive hin zu einer Outside-in-Sichtweise. Dabei hilft der Austausch mit verschiedenen Akteuren wie Forschenden, NGOs oder der Politik. Relevanz, Hebelwirkung und schliesslich die effektive Umsetzung sind entscheidend.

Wo sehen Sie das grösste Potenzial für die Zukunft?
Damit aus den unzähligen Ideen echte Neuerungen und Verbesserungen entstehen, braucht es die Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten und ein «Outside-in-Mindset». Zahlreiche laufende Projekte aus der Unternehmenswelt, wie sie zum Beispiel die unabhängige, digitale Plattform Business Sustainability Today aufzeigt, belegen dieses enorme Potenzial.

Auszug aus dem Oec. Magazin, Ausgabe 11, Juni 2019.

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Bild: Rodolfo Sacchi

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