Welchen Beitrag leisten Sie in Ihrer beruflichen Rolle an eine nachhaltige Entwicklung?


Als kleine, bundesnahe Marketingorganisation ist unser Einfluss auf die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit eng begrenzt. Im Vordergrund steht bei uns ganz klar die ökologische Nachhaltigkeit. Denn die gesunde Natur mit vier Jahreszeiten ist das Fundament der Schweizer Tourismusbranche. Diese gilt es daher durch die konsequente Förderung von nachhaltigen Tourismusprojekten und -formen zu schützen und zu stärken. Zudem stellt Schweiz Tourismus den nachhaltigen Tourismus und die Schweizer Naturlandschaften ganz bewusst ins Zentrum der Kommunikation und spricht Gäste an, welche für ökologische Nachhaltigkeit sensibilisiert sind. Wir versuchen, mit unseren bescheidenen Mitteln als KMU selber jeden Tag einen (kleinen) Beitrag zu leisten. Der Branche können wir nicht vorschreiben, welche Projekte und Angebote sie umsetzen und welche eher nicht. Aber ich kann in unserer Kommunikation dafür sorgen, dass nachhaltige Tourismusprojekte eine höhere Sichtbarkeit und grössere Bedeutung erhalten.


INFRAS berät seit über 40 Jahren die öffentliche Hand wie auch private Unternehmen und Organisationen in Nachhaltigkeitsfragen. Bei der Gründung des Unternehmens 1976 lief dieser Aspekt noch unter dem Titel «Grenzen des Wachstums». Inzwischen sind wir ein Team aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen wie Ökonomie, Sozialwissenschaften oder Natur- und Ingenieurwissenschaften. In einem Projekt, das ich aktuell betreue, evaluieren wir beispielsweise die nationale Strategie für Nachhaltige Entwicklung und schreiben regelmässig am SDG-Monitoringbericht für die EU mit. Zudem bin ich in Projekte involviert, bei denen es um das Nachhaltigkeitsrating von Unternehmen für den Finanzsektor geht. Es freut mich besonders, dass dabei oft die SDGs im Zentrum stehen, da ich diese in meiner vorherigen Tätigkeit beim Bundesamt für Umwelt und als Mitglied der Schweizer Delegation an der UNO in New York mitverhandeln konnte.


Im Fundraising bin ich immer wieder mit Fragen der Nachhaltigkeit konfrontiert, vor allem im Rahmen unserer Spendenaufrufe per Brief. Hier ist die Selektion der Empfänger besonders wichtig, um einen möglichst tiefen Streuverlust zu erreichen und damit die Ressourcen zu schonen. Wir achten zudem darauf, dass wir unsere Leistungen – wie zum Beispiel Druckaufträge – in der Schweiz beziehen, um unseren CO2- Fussabdruck möglichst tief zu halten. Privat setze ich mich viel stärker mit den SDGs auseinander als im Berufsalltag, da ich bei verschiedenen Hilfsorganisationen engagiert bin. Bei diesen Tätigkeiten stehen für mich die Fragen der Armuts- und Hungerbekämpfung, der Gesundheit, der Zugang zu sauberem Wasser, der Ausbildung sowie der Förderung von Frauen in Entwicklungsländern im Vordergrund. Als Vater von drei Töchtern liegt es mir besonders am Herzen, dass Frauen die gleichen Chancen erhalten wie Männer, zumal sie in vielen Ländern auch die Hauptarbeitslast tragen.


Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde vor rund 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz im Kontext der Waldwirtschaft geprägt. Seinen Grundsatz «nicht mehr Ressourcen verbrauchen als produzieren» beachte ich sowohl in meiner Tätigkeit als Bäuerin wie auch im Industrial Engineering. Das bedeutet, mit aller Kraft und Konsequenz Lösungen nachhaltig neu denken und Altes neu erFINDEN. Resilienz ist die Zwillingsschwester der Nachhaltigkeit: Die vermeintlichen Gegensätze von wirtschaftlichem Erfolg, Schutz natürlicher Ressourcen und ökologischem Verantwortungsbewusstsein bilden einen Dreiklang. Mit meinen Unternehmen agiere ich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Ökologie und Natur – auch mit dem Ziel, der Konsumwelt einen Naturanschluss zu bieten. Die umweltschonende Bewirtschaftung des Landgut Weitsicht® ist der biologischen Landwirtschaft und der Förderung der Artenvielfalt (Biodiversität) verpflichtet. Denn alles ist miteinander vernetzt und Teil eines Systems. Schliesslich soll es auch nach uns ein gutes und lebenswertes Fortbestehen geben.

Auszug aus dem Oec. Magazin, Ausgabe 11, Juni 2019.

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Bilder: zVg

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